Willkommen auf der Seite des Lehrforschungsprojekts „KATHOLIZISMUS IN EICHSTÄTT NACH 1945“

Im Sommersemester 2017 haben Prof. Dr. Florian Bock (Mittlere und Neuere Kirchengeschichte) und Christiane Hoth M.A. (Neueste Geschichte) im Rahmen eines interdisziplinären Seminars den forschenden Umgang mit Quellen zur unmittelbaren und mittelbaren Nachkriegszeit (1945ff.) der Diözese Eichstätt angeboten. Das Lehrforschungsprojekt wurde sowohl von Studierenden der Katholischen Theologie als auch der Geschichtswissenschaft sowie des Studiengangs „Kultur und Medien“ besucht.
Die Studierenden waren gefragt, in die Rolle der „Spurensucher“ zu schlüpfen und sich vom Prinzip „Neugier“ tragen zu lassen. Das Spannende dabei: Die zu untersuchenden Quellen sind (noch) nicht im Forschungsdiskurs bekannt und liegen somit nur im Original vor. Daher haben wir den üblichen Rahmen eines universitären Seminars verlassen. Nach einführenden Sitzungen zur Diözesangeschichte, zur Quellenkunde und Archivarbeit bildeten die TeilnehmerInnen Kleingruppen, um einen kompakten Quellenbestand auf eine historische Frage hin zu analysieren. Am Ende des Semesters haben die einzelnen Teams dem Seminar ihre Ergebnisse präsentiert. Das Ziel war und ist es, so einen forschungsorientierten Einblick in die Geschichte des Katholizismus vor Ort zu geben.

Integration damals. Heimatvertriebene in der Diözese Eichstätt nach Kriegsende

„Die lungern nur rum und liegen uns auf der Tasche“ – „Mit der Sittlichkeit haben sie’s auch nicht“ – „Wenn diese Flüchtlinge nicht wären, dann könnten wir in Frieden leben.“
Vertraute Sätze im Jahr 2017, wie sie im Café, auf der Straße oder am Stammtisch aufgeschnappt werden können. Vorwürfe aber, die auch schon vor 70 Jahren laut wurden.

Eichstätt 1946: Der Krieg ist zwar vorbei, doch die Folgen sind noch lange nicht überwunden, als sich Bischof Michael Rackl wegen der „Flüchtlingsproblematik“ mit folgenden Worten an die Eichstätter Christen wendet:
„Im Vertrauen auf diese nie vergehende Liebe des Christenmenschen bitte ich nun heute die Einwohnerschaft der Stadt Eichstätt um eine besondere Gabe für die Brüder und Schwestern, die als Flüchtlinge zu uns gekommen sind, arm, buchstäblich bettelarm. Man hat ihnen nicht bloß die Heimat, sondern buchstäblich alles genommen, was ihr Eigentum war. […] Die Flüchtlinge sind nicht schuld, und auch die Einheimischen nicht. Wir können nichts tun, als einander helfen und das Kreuz starkmütig und gottergeben zu tragen.“

Gottschalk, Hanns (Hrsg.): Volkskalender für Schlesier, München 1981.

Martina Besler, Beate Laurenti, Magnus Pöschl und Katharina Zöpfl haben sich mit der Geschichte der Heimatvertriebenen im Eichstätt der Nachkriegszeit beschäftigt. Lesen Sie hier mehr dazu.

Seelsorge in Trümmern

Auch die „Oral History“ findet in unserem Lehrforschungsprojekt einen Platz. So führte die Gruppe ein Interview mit Domkapitular em. Alois Ehrl in Nürnberg, um mehr über die Situation der Heimatvertriebenen in der Region zu erfahren. Hier können Sie das Video einsehen.

Zusammenarbeit „in brüderlicher Liebe“. Marianische Männerkongregation, Laienapostolat und Wiederaufbau der Katholischen Aktion in der Diözese Eichstätt

Die Studierenden Benedikt Köger, Fabian Geiger und Angela Karmann haben sich im Sommersemester mit den Themen Marianische Männerkongregation und Katholische Aktion in Eichstätt beschäftigt.

Nach der Gründung der ersten Marianischen Männerkongregation 1563 durch die Initiative eines flämischen Jesuiten namens Johannes Leunis in Rom, konstituierte sich nach einer rasanten europaweiten Ausbreitung die Eichstätter Marianische Männerkongregation im Jahr 1615. Zu den Leitgedanken der Kongregation zählt seit über 400 Jahren vor allem die gemeinsame Marienfrömmigkeit, die ihren Ausdruck in Prozessionen, Rosenkranzgebeten, Wallfahrten und anderen gesellschaftlichen Veranstaltungen findet. Die Marianische Kongregation im Bistum Eichstätt kann auch noch im 21. Jahrhundert über 3.300 Männer als Mitglieder aufzählen, die auf insgesamt 18 Filialkongregationen verteilt sind. Aufschluss gaben auch drei Zeitzeugengespräche, die Benedikt Köger und Fabian Geiger mit drei Mitgliedern der Marianischen Männerkongregation im Rahmen des Lehrforschungsprojekts geführt hatten.

Der Ruf nach Laienunterstützung in der Seelsorge wurde im Bistum Eichstätt  in den unmittelbaren Nachkriegsjahren laut und es kam zum Wiederaufbau der Katholischen Aktion, die bereits in den 1920er Jahren begann. Doch was ist diese Katholische Aktion überhaupt? Wer sind diese Laien, die die Priester bei ihrer Arbeit unterstützen sollten und wie wurde dies im Bistum Eichstätt umgesetzt?

Hier können Sie sich mithilfe einer chronologischen Ordnung der Ereignisse von 1922 bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er Jahren über die Katholische Aktion in Eichstätt informieren.

Laienapostolat und Katholische Aktion

„Aufrecht und stark“! – Seelsorge und Sittlichkeit im Eichstätt der Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die seelsorglichen Aktivitäten und sittlichen Ansinnen auf nationaler wie lokaler Ebene vor allem auf Jugendliche und deren Schutz ausgerichtet, denn sie galten als der wichtigste Hoffnungsträger. Roxane Sporer und Félicien Hakizimana haben sich mit den Volksmissionen im Allgemeinen und den Kapellenwagenmissionen im Speziellen, wie sie auch hierzulande stattfanden, sowie dem Thema Sittlichkeit in Eichstätt beschäftigt.

Gerade in den 1950er Jahren wurde auch in Eichstätt vehement um die Aufrechterhaltung der Sittlichkeit gekämpft, die Seelsorge und mit ihr die Rechristianisierung bekamen wieder einen größeren Stellenwert. Doch welche Bereiche umfassten diese Bemühungen? Welche Probleme taten sich auf?

Roxane Sporer ist mithilfe einiger Akten aus dem Eichstätter Diözesanarchiv diesen Fragen nachgegangen und stellt die ambivalente Situation in den 1950er Jahren zwischen versuchter „Restauration“ alter Werte- und Normvorstellungen auf der einen Seite und Neubeginn auf der anderen Seite heraus.

Seelsorge und Sittlichkeit

Zwischen „das Schweigen“ und dem „Film- und Fernseh-Versprechen“ – katholische Film- und Medienarbeit vor Ort und landesweit

„Eine ethische Atombombe aus Erotik, Exhibitionismus und Blasphemie“ – Nach der Nazi-Diktatur gab es kaum eine gesellschaftliche Instanz, die nicht durch die Nationalsozialisten korrumpiert worden wäre. Einzig die katholische Kirche war in der Öffentlichkeit als „Siegerin in Trümmern“ unbeschadet aus der nationalsozialistischen Gleichschaltung hervorgegangen. In einer Phase der post-nationalsozialistischen Rechristianisierung wurde die Kirche Anfang der 1950er Jahre, als die Deutschen, beglückt durch das Wirtschaftswunder, allmählich den Krieg vergaßen, nicht nur in Eichstätt zu einem moralischen Diktum. Doch kaum ein Jahrzehnt später, Mitte der 1960er Jahre, sah sich die Kirche plötzlich selbst der Kritik ausgesetzt, die künstlerische Schaffensfreiheit mit Füßen zu treten. Was war geschehen?

Bereits in der Zwischenkriegszeit hatte die Kirche das Medium Film für sich entdeckt. Ausgehend von der Päpstlichen Enzyklika „Vigilanti Cura“ des Papstes Pius XI. vom 29. Juni 1936, in der es hieß, eine der dringlichsten Aufgaben der Zeit sei, den Film zu einem „wervollen Mittel der Erziehung und der Hebung der Menschheit“ umzugestalten, wurde das Thema Film auch nach dem Zweiten Weltkrieges zu einem Anliegen, das für die katholische Kirche von großem Interesse war – nicht nur in Eichstätt, sondern weltweit. Bald gründete sich in Deutschland die „Kirchliche Hauptstelle für Bild- und Filmarbeit“ mit Sitz in Köln. In Eichstätt finden sich erste Belege für die Zusammenarbeit zwischen der Diözese und Hauptstelle für Bild- und Filmarbeit im Januar 1950.

Plakat für das Film- und Fernsehversprechen, wie es in Schaukästen der Pfarreien aufgehängt werden sollte
(Quelle: DAEI, BOE 3792)

Lesen Sie hier mehr über die Katholische Film- und Fernseharbeit in Eichstätt, ein Thema, zu dem Johannes Habermehl und Manuela Schöberl recherchiert haben.

Katholische Film- und Fernseharbeit

Ein Eichstätter für die Jugend. Alois Brems

Die deutschen Bischöfe stellten mit ihren „Richtlinien für die kirchliche Jugendarbeit“ schon Anfang Juli 1945 Überlegungen an, wie die zukünftige Jugendarbeit aufgestellt sein sollte. Deutschland sollte von der religionsfeindlichen Ideologie des Nationalsozialismus befreit und vor allem mit Hauptaugenmerk auf die junge Generation rechristianisiert werden.

In der Diözese Eichstätt hat der damalige Jugendpfarrer und gebürtige Eichstätter Alois Brems in der Nachkriegszeit maßgeblich zum Wiederaufbau der kirchlichen Jugendarbeit beigetragen. Ihm ging es hauptsächlich darum „die Jugend wieder für Christus [zu] erobern.“ Inwiefern Brems, der von 1968-1983 Bischof von Eichstätt war, dies gelang, haben Simeon Hüttel und Markus Hegewald rekonstruiert.

Alois Brems – Ein Eichstätter für die Jugend